Bio Baumwolle

Wann wird von kbA Baumwolle gesprochen?

  • das Feld muss für mind. drei Jahre ohne synthetische Agrarchemikalien bebaut worden sein
  • die verwendeten Materialien und Prozesse müssen für Dritte nachvollziehbar sein
  • eine jährliche Inspektion der Methoden und Materialien durch Dritte gewährleistet ist
  • keine konventionelle Baumwolle während der Verarbeitungsprozesse eindringt
  • die Baumwolle strikt getrennt von konventioneller Baumwolle verarbeitet wird.

Was ist problematisch an konventioneller Baumwolle?

Der weltweit sehr stark praktizierte Anbau von gentechnisch veränderter (gv) Baumwolle macht es sehr schwierig, Biobaumwolle oder auch konventionell angebaute Baumwolle ohne Verunreinigung mit gentechnischem Material zu bekommen.
Ein hoher Anteil (ca. 68%) der derzeitig angebauten Baumwolle ist gentechnisch verändert. Die angebauten Sorten sollen gegen die Hauptschädlinge, wie z.B. den Baumwollkapselbohrer resistent sein. Eine andere gentechnische Veränderung ist die auch bei anderen Nutzpflanzen relativ weit verbreitete Herbizidresistenz gegen das Unkrautvernichtungsmittel Roundup.

Welche Notwendigkeiten ergeben sich für kbA Baumwolle?

Um ein Eindringen von gv-Baumwolle nach der Ernte zu verhindern, müssen die Verarbeitungswege - wie z.B. Transport, Entkernung, Lagerung - strikt getrennt verlaufen. Die jeweiligen Maschinen müssen komplett gereinigt und die weitere Handhabung kontrolliert und dokumentiert werden. Bereits in der Anbauphase kann es passieren, dass die Baumwolle auf dem Feld durch Nachbarfelder oder wild wachsende, ausgekreuzte gv-Baumwolle verunreinigt wird. Koexistenz von gv-Baumwolle oder konventioneller Baumwolle ist kaum möglich.
Daher gilt mit dringender Ntowendigkeit: Es müssen Feldabstände ausgehandelt werden und Schadenersatzregelungen bei Verunreinigungen geschaffen und angewandt werden!

Welche Probleme ergeben sich für Baumwoll Farmer?

Den Bauern verspricht man höhere Ernten und bessere Einkommen durch den Einsatz des gentechnisch veränderten Saatgutes. Aber alle Länder, die genverändertes Baumwolle-Saatgut über mehrere Perioden verwenden, berichten über das massive Auftreten von Schädlingen, (Blattläuse, Stinkwanzen) die vorher keine ökonomische Relevanz im Anbau dieser Kulturpflanze hatten.
Die Folge ist ein erhöhter Petizideinsatz zum Schaden der Menschen auf dem Feld, die sehr oft ohne Schutzkleidung die Gifte aufbringen, Flora und Fauna werden weitere schwere Schäden zugefügt, die Bodenerosion schreitet fort.
Der Baumwollanbau beansprucht etwa 2% der weltweiten Ackerfläche, jedoch können ca. 16% der weltweiten Pestizideinsätze dem Baumwollanbau angerechnet werden.
Der Ertrag ist oft kümmerlich oder fällt im Extremfall total aus. Bedenkt man, dass nach einer Studie der Nichtregierungsorganisation Grain gentechnisch verändertes Saatgut etwa den dreißigfachen Preis gegenüber konventionellem Saatgut hat, kann man sich die Verzeweiflung der Bauern, die schon häufiger zum Selbstmord führte, gut erklären.

Was hilft uns weiter?

Der Ausweg aus diesem Teufelskreis ist nach wie vor der Umstieg der Baumwollfarmen auf biologische Wirtschaftsweise.
Weltweit werden mehr als 32 Mio Hektar der landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologisch bewirtschaftet. Trotz ständigen Wachstums dieses Sektors ist das immer noch etwas weniger als 1%.
Die Entscheidung für den Anbau von Bio Baumwolle ist mehr als ein Verzicht auf Dünger und Herbizide. Denn im Bioanbau wird mit der Fruchtfolge oder einer Beipflanzung von Lebensmitteln auf dem Baumwollfeld auch Nahrung für die Bevölkerung garantiert, die Bodenfruchtbarkeit erhöht und die Gesundheit der Bäuerinnen und Bauern geschützt.
Die Vorteile des Bioanbaus liegen damit auf der Hand.

Wie können wir helfen?

Der Naturtextil Fachhandel bietet einen von dieser Erkenntnis geprägten Absatzkanal für Kleidung aus Biobaumwolle.
Die Endverbraucher gehen zu Recht davon aus, dort Biobaumwolle ohne gentechnische Kontamination zu erwerben. Um dies zu sichern, die Bauern und auch die textile Weiterverarbeitung nicht mit weiteren Bürden zum Schutz von gentechnischer Verunreinigung zu belasten, müssen wir politisches Handeln einfordern!
Jede und jeder einzelne von uns kann den Umstieg auf kbA Baumwolle unterstützen, indem Naturtextilien mit Bio Baumwolle bevorzugt werden.
 

Quellen: